ElGraf

Das Faxgerät – Fluch und Segen einer Kommunikationstechnologie im Lichte des Querulantentums

Posted in Blawgosphere by elgraf on October 19, 2010

Die an diesem Urteil Beteiligten (besonders vorzuheben sind der StA, der die Anklagen verlesen durfte und der Richter, der das Urteil schreiben musste) sind weiß Gott nicht zu beneiden. Es geht um insgesamt 17 Anklageschriften inklusive Einbeziehung noch nicht vollstreckter Strafen und jede einzelne Verwirklichung von §§ 185 ff. StGB liest sich unsinniger als die letzte.

Nicht vergessen werden darf in diesem Zusammenhang aber der Anteil, den die Faxgerätproduktionsindustrie am Leid der Beteiligten trägt, welcher den Urteilsgründen im Zusammenhang mit der Bejahung von § 21 StGB und Verneinung von § 20 StGB zu entnehmen ist (S. 37):

Bei dem Angeklagten liegt eine sogenannte paranoide Persönlichkeitsstörung (sogenannter Querulantenwahn) nach der Klassifizierung des ICD-10 F 22.8 und F 60.00- unter Ausschluss einer endogenen oder hirnorganischen Ursache – vor, ohne dass sein Vermögen. Hemmungen gegenüber dem Anreiz, zu beleidigen, vollständig im Sinne des § 20 StGB aufgehoben wäre. Lediglich dann, wenn er beispielsweise affektiv in erregtem Spannungszustand ein Faxgerät zur Hand hat, ist er nicht mehr ausreichend in der Lage, Hemmungen aufzubauen, um die tatanreizende Situation durch anderweitigen Abbau von Spannungen zu bewältigen. [Hervorhebung von mir]

Herzlichen Dank an die angemessen betitelten “Blöden Geschichten“, deren Hartnäckigkeit es zu verdanken ist (das ist aber eine andere, nicht weniger glorreiche Geschichte), dass diese Perle des Strafrechts den Weg an die Öffentlichkeit gefunden hat.

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Blawgosphäre und Loveparade

Posted in Blawgosphere by elgraf on July 29, 2010

Es wird ja in letzter Zeit viel über Sinn, Unsinn, Nutzen und Potenzial der deutschen Blawgosphäre geschrieben (und ich bin momentan zu faul, Links zu den jeweiligen Beiträgen zu setzen).

Symptomatisch zumindest für den Zustand derselben ist, dass Haftungsfragen rund um die Loveparade-“Katastrophe” (die Anführungszeichen sind bewusst gesetzt, um zur Perspektivwahrung anzuregen) zuallererst von einem “richtigen” Medium ernsthaft aufgegriffen werden müssen, während Urgestein und Aushängeschild der Sphäre viel lieber erklärt, warum es seinen Fitnessstudiovertrag nicht kündigt und wie toll doch die Soforthilfe von McFit-Betreiber Herrn Schaller funktioniert. Nicht nur mir kommt das seltsam vor. Zwar wird von LTO auch nur in Form eines Interviews wenig sauber zwischen zivil-, ordnungs- und strafrechtlicher Haftung trennend um das Thema rumlaviert, das ist aber jedenfalls deutlich mehr als das, was aus der Blogecke kommt.

Jetzt wird man mir (zumindest innerlich) wieder vorwerfen, nur zu motzen und selbst nichts auf die Beine zu stellen. Dazu kann ich dann aber nur sagen: Besser das als jenes.

Und ans Ende noch einen Disclaimer/Aufruf: Sollte ich ernsthafte fachliche Auseinandersetzungen mit der “Tragödie” übersehen haben, weise man mich bitte darauf hin und ich revidiere meine Meinung.

UPDATE: Kleine Ehrenrettung der Blawgosphäre durch einen (wenn auch einen Tag später als das LTO-Interview erschienenen) hervorragenden Artikel im BeckBlog, das freilich ohnehin in vieler Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung darstellt.